Devils Church – Kanäle und Composing in Photoshop Elements

In diesem Tutorial möchte ich einerseits zeigen, wie es auch in Photoshop Elements möglich ist, mit Kanälen zu arbeiten und freizustellen und andererseits ein komplettes Composing einer “Devils Church” in PSE durchführen, wobei ich einige Tipps und Tricks zum Thema Composings vorstelle.

Kirche bei sxc.hu

Himmel bei cgtextures.com

In diesem Tutorial möchte ich euch die Arbeit mit Kanälen zur einfachen Freistellung vorstellen, euch zeigen, wie es euch auch ohne die direkte Kanal-Funktion aus Photoshop möglich ist, auf diese Weise in Elements zu arbeiten und allgemein ein ansprechendes Composing mit euch erstellen.

Beschäftigen wir uns vor der eigentlichen Composingarbeit einmal mit dem Thema Kanäle und damit, wie sie uns behilflich sein können. Ein RGB-Bild besteht aus 3-4 Kanälen. Rot, Grün, Blau und vielleicht noch dem Alpha-Kanal, sollten Transparenzen drin vorkommen. So sieht bspw. unser Ausgangsbild in Kanäle aufgeteilt folgendermaßen aus:

Wir empfehlen:
Freistellen mit Photoshop Elements

Dabei zeigen die einzelnen Bilder die Anteile der jeweiligen Farben im Bild an. Weiß entspricht jeweils 100% und Schwarz 0%. Hat man also einen Hintergrund, der sich farblich von den Vordergrundobjekten abhebt, kann man auf diese Art und Weise ein Bild erstellen, das den Vordergrund bspw. schwarz und den Hintergrund weiß darstellt, welches man daraufhin als Alpha-Matte oder Ebenenmaske des Originalbildes angeben kann. Was bringt einem das? Man kann auf diese Weise Elemente auf Basis der Originalpixel und Originalfarbwerte freistellen. Dies ist besonders nützlich bei Haaren, Bäumen oder Ähnlichem, wo ein das Objekt umschließender Pfad die reinste Tortur bzw. bei halbtransparenten Bereichen sogar unmöglich wäre. Genau auf diesem Weg möchte ich auch unser Bild hier freistellen.

 

In Photoshop Elements gibt es nur kein Kanäle-Feld, mit dem ich auf die einzelnen Kanäle zugreifen kann. Aber es ist anders möglich: mit der Tonwertkorrektur. Ich wende also eine neue Einstellungsebene>Tonwertkorrektur an. Dabei wechsele ich nun, angenommen, ich würde gern den Blau-Kanal haben, zum Rot- und Grün-Kanal und beschneide den Tonwertumfang so, dass kein Rot und Grün mehr im Bild vorkommt. Dies geht, indem man den unteren rechten Regler bis zum Anschlag nach links zieht bzw. die untere 255 auf eine 0 ändert.

 

Dieses Bild ist jetzt ausschließlich blau; jedoch ist das noch nicht genau die Information, die wir brauchen. Wir möchten das Bild erst einmal noch entsättigen. Dazu fügen wir eine neue Einstellungsebene>Farbton/Sättigung hinzu und stellen die Sättigung auf -100.

 

Nun sieht das Bild noch etwas dunkel aus, was daran liegt, dass hier zwar die Blau-Anteile des Bildes angezeigt werden, aber nur innerhalb der Tonwerte 0-127. Mit einer erneuten Einstellungsebene>Tonwertkorrektur unter einer Beschneidung der Tonwerte von 255 auf 127 ist das Problem gelöst und wir haben den finalen Blau-Kanal.

 

So bekommt man also in Elements die einzelnen Kanäle aus einem Bild. Nur bringt uns das speziell bei diesem Bild nicht viel weiter, da der Unterschied zwischen Hinter- und Vordergrund nicht groß genug ist. In diesem Fall kann man einfach weiter herumprobieren und verschiedene Kanäle über den Tonwertumfang “ausblenden,” bis man zu einer gewünschten Matte kommt. In diesem Fall ist keiner der einzelnen Kanäle ausreichend. Beschneidet man aber lediglich den Grün-Kanal auf 0,0, bekommt man Folgendes:

 

Wir haben also primär nur noch den blauen Hintergrund und den magentafarbenen Vordergrund. Aktivieren wir wieder die Farbton/Sättigungs-Ebene, können wir in dem Farbbereich-Dropdown verschiedene Farbbereiche separat steuern:

 

So gehen wir also in alle Töne, die wir verändern wollen. In diesem Fall stellen wir die Helligkeit bei Rot und Magenta auf -100 und bei den Blautönen auf +100. Dadurch erhalten wir ein schon ziemlich gutes Resultat:

 

Mit einer weiteren Tonwertkorrektur können wir das jetzt also noch so anpassen, dass wir schon beinahe eine vernünftige Matte vorliegen haben:

 

Nun kann man einfach mit einem schwarzen Pinsel auf einer neuen Ebene die noch weißen bzw. grauen Bereiche innerhalb des Schwarzen ausmalen und die “Löcher” der Matte auf diese Weise füllen. Außerdem können wir die Matte weiterhin mithilfe des Abwedlers und des Nachbelichters perfektionieren. Die grauen Bereiche, die eigentlich zum Weißen gehören, können wir also mit dem Abwedler aufhellen und die, die eigentlich zum schwarzen Bereich gehören, mit dem Nachbelichter abdunkeln.

Kleiner Tipp: Wenn man mit dem Abwedler arbeitet und die Alt-Taste gedrückt hält, arbeitet man direkt mit dem Nachbelichter, ohne die Werkzeuge wechseln zu müssen.

Die fertige Matte sieht dann also so aus:

 

Um diese Informationen als Alpha-Werte zu nutzen, wählen wir über Strg+A alles aus und kopieren es mit Strg+C. Anschließend fertigen wir eine Kopie des Originalbildes an (Hintergrundebene auswählen, über Strg+J duplizieren und nach ganz oben in der Ebenenpalette verschieben) und fügen ihr eine neue Ebenenmaske über das Icon unten in der Ebenenpalette (das Quadrat mit dem Kreis darin) hinzu. Auf die soeben erstellte Ebenenmaske klicken wir mit gedrückter Alt-Taste und wählen nun, da wir lediglich den Inhalt der Ebenenmaske angezeigt bekommen, erneut alles über Strg+A aus und fügen unsere Matte über Strg+V ein.

Ganz schön viele Tastaturbefehle, aber ein super Effekt. Über einen erneuten Alt-Klick auf die Ebenenmaske verlassen wir diesen Modus wieder und sehen jetzt unser freigestelltes Objekt. In diesem Fall ist jedoch nur noch der Hintergrund sichtbar (Weiß in der Ebenenmaske entspricht 100% Deckkraft und Schwarz 0%), weshalb wir die Ebenenmaske auswählen und über Strg+I umkehren müssen.

 

Nachdem unser Vordergrundobjekt also freigestellt ist, können wir den gewünschten Hintergrund einfügen. In diesem Fall nehme ich einen bedeckten Himmel von CG-Textures (Link in der Beschreibung). Jetzt haben wir aber eventuell noch einen leichten weißen Saum an manchen Stellen der Kanten. Um dies zu korrigieren, können wir einfach über Auswahl>Kante verbessern den Kante-verbessern-Dialog aufrufen und mit dessen Hilfe die Maske ein wenig beschränken und mit einer leichten weichen Kante versehen.

 

Es gibt jedoch sehr oft das Problem, dass sich, auch wenn eine perfekte Kante vorliegt, Vorder- und Hintergrund zu sehr voneinander abheben. Um dieses Problem zu lösen, reicht in vielen Fällen eine Art Überstrahlung des Hintergrunds auf den Vordergrund. Dazu nehmen wir uns einfach die Wolken-Ebene, die wir bereits hinter die Vordergrundebene gelegt hatten, und duplizieren auch diese mit Strg+J. Als Nächstes braucht sie noch genau den umgekehrten Alpha-Kanal des Vordergrundobjekts.

Das kriegen wir hin, indem wir mit gedrückter Strg-Taste auf die Ebenenmaske des Vordergrundobjekts klicken und, die duplizierte Himmel-Ebene ausgewählt, wieder auf das Ebenenmasken-Icon klicken. Es wird genau die Ebenenmaske angelegt, wie wir sie auch auf dem Vordergrund haben und wir müssen sie nur noch über Strg+I umkehren. Der Himmel soll also auf das Objekt “überstrahlen.” Dazu setzen wir erst mal mit Strg+G oder einem Alt-Klick eine Schnittmaske zwischen die Ebene und den Vordergrund.

 

Nun ist kaum ein Unterschied zu der Version ohne Überstrahlung feststellbar. Wenn wir aber anfangen, diese Maske über Filter>Weichzeichnungsfilter>Gaußscher Weichzeichner weichzuzeichnen, bekommen wir genau unseren gewollten Überstrahlungseffekt:

 

Jetzt können wir die Füllmethode der Überstrahlungsebene noch anpassen. Entweder wir belassen sie auf Normal, dunkeln die Kanten bspw. über den Modus Multiplizieren ab oder hellen sie bspw. über Negativ multiplizieren auf.

 

In diesem Fall wähle ich Multiplizieren, weil ich sie als am passendsten erachte; das ist jedoch von Fall zu Fall unterschiedlich. Um weiter am Bild zu arbeiten, beginne ich mit einem leichten Dodge & Burn. Diesmal möchte ich aber nicht direkt auf dem Bild Abwedler und Nachbelichter anwenden, da ich dann keine weiteren Änderungen bei den bisher erstellten Ebenen mehr vornehmen kann. Stattdessen möchte ich auf eine non-destruktive Art des Dodge & Burn zurückgreifen. Dazu erstelle ich über Strg+Shift+N eine neue Ebene im Modus Ineinanderkopieren und fülle diese mit der neutralen Farbe 50% Grau.

Beschreibung: D:\Philipp\Eigene Dateien\Camtasia Studio\Photoshop Elements\Bilder\16.jpg

 

Der Modus Ineinanderkopieren funktioniert, genau wie alle anderen Füllmodi in dieser Gruppe, so, dass der mittlere Tonwert 50% Grau keine Änderung am unterliegenden vornimmt, und alles, was heller ist als dieses 50% Grau, das Bild aufhellt und alles, was dunkler ist, das Bild abdunkelt. Also die ideale Voraussetzung für Dodge & Burn. Wenn wir auf der neuen Ebene also mit einer großen weichen Pinselspitze die Ränder selektiv abdunkeln, haben wir weiterhin die Möglichkeit, bspw. die Überstrahlung anzupassen. So sieht die Dodge-&-Burn-Ebene und das Bild vorher und nachher aus:

 

Außerdem können wir ganz einfach die Deckkraft der grauen Ebene regulieren, um den Effekt etwas dezenter zu gestalten, sollten die Änderungen im Endeffekt zu drastisch wirken. Um nun Schritt für Schritt zum finalen Bildlook zu kommen, beginnen wir damit, die Lichtsituation des Bildes wesentlich kühler zu gestalten. Das mache ich ganz gern über eine Farbton/Sättigungs-Ebene. Ich färbe das Bild also über so eine Ebene in der gewünschten Lichtfarbe. In diesem Fall ein kaltes Cyan-Blau.

 

Wir können auch hier den Modus anpassen und mit dem Original überblenden. Um wirklich Licht “hinzuzufügen”, setzen wir den Modus auf Negativ multiplizieren, aber in diesem Fall wird das Bild dadurch viel zu stark aufgehellt, weshalb ich lieber Multiplizieren wähle.

 

Am Helligkeits-Regler der Farbton/Sättigungs-Ebene können wir die Auswirkung der Lichtänderung steuern. Mir ist aber auch das noch etwas zu bunt und warm. Deswegen füge ich noch eine weitere Farbton/Sättigungs-Ebene hinzu, die das Bild in diesem Ton einfärbt, belasse sie jedoch im Modus Normal und reduziere bloß die Deckkraft etwas:

 

Der Farblook stimmt also schon mal. Wir müssen nur noch daran arbeiten, das Ganze etwas mystischer zu gestalten. Dazu möchte ich über der Kirche Licht in das Bild hineinscheinen lassen, das sie von oben beleuchtet. Dabei möchte ich vor allem, dass man die Lichtstrahlen leicht erkennen kann. Diese Lichtstrahlen will ich jetzt erzeugen. Dazu erstelle ich eine neue Ebene und wende den Filter Renderfilter>Wolken an.

 

Diese Helligkeitswerte möchte ich für diese Strahlen nutzen. Dazu zeichne ich sie mit dem Radialen Weichzeichner weich, welchen man über Weichzeichnungsfilter>Radialer Weichzeichner anwenden kann. Wir stellen die Stärke auf 100 und die Methode auf Strahlenförmig. Dadurch bekommen wir schon ansatzweise einen Strahleneffekt.

 

Über Strg+F kann ich diesen Filter mit denselben Einstellungen einfach noch einmal anwenden. Diese Tastenkombination wiederhole ich jetzt so oft, bis ich wirklich nur noch ein strahlenförmiges Ergebnis habe, das ich nutzen kann:

 

Diese Strahlen strecke ich über Strg+T sehr stark in die Höhe und erreiche damit einen scheinbaren volumetrischen Lichteinfall von oben. Dreht man diese Ebene zusätzlich, kann man das Licht natürlich auch aus anderen Richtungen hineinscheinen lassen.

 

Diese Ebene auf Ineinanderkopieren gestellt, gibt uns den volumetrischen Lichteffekt auf unserem Bild.

Beschreibung: D:\Philipp\Eigene Dateien\Camtasia Studio\Photoshop Elements\Bilder\25.jpg

 

Dieser Effekt ist zwar nur subtil, aber in vielen Fällen “verkauft” sich künstlich eingesetztes Licht durch solche Kleinigkeiten wesentlich besser. Bei unserem Bild fehlt jetzt aber bloß noch die wirkliche Lichtquelle. Diese möchte ich einfach direkt in das Bild malen. Dazu erstelle ich eine neue Ebene, nehme einen großen weichen Pinsel und male mit etwas reduzierter Deckkraft (bspw. 40%) am oberen Rand der Ebene wirklich das Licht ins Bild:

 

In diesem Fall habe ich Deckkraft der Ebene noch auf 65% reduziert, damit der Effekt nicht zu “künstlich” aussieht. Jetzt ist unsere neue Lichtquelle also im Bild.

Nur die Objekte der Szene haben davon quasi noch nichts “mitbekommen”. Verändert man das Licht, müssen die Objekte dementsprechend also darauf reagieren. Wir belassen die Lichtrichtung von links oben in diesem Bild weiterhin bei und fügen die von oben hinzu. Auch das machen wir über Dodge & Burn.

Wie vorher schon, erstellen wir über Strg+Shift+N eine neue Ebene im Modus Ineinanderkopieren und füllen diese mit der neutralen Farbe Grau, um auf dieser dann aufzuhellen und abzudunkeln. Diese bewegen wir aber diesmal direkt über die Überstrahlungsebene und erstellen auch für diese über Strg+G oder einen Alt-Klick zwischen die Ebenen eine Schnittmaske. In folgendem Bild habe ich einmal die Bereiche, die durch die neue Lichtquelle aufgehellt werden, grün und die, die abgedunkelt werden, rot gekennzeichnet:

 

Jetzt können wir also anfangen, mit Licht & Schatten zu spielen und die Lichtsituation anzupassen. Gerade solche Änderungen ergeben im Endeffekt dann den Teil des Composings, der es wirklich glaubwürdig wirken lässt. Hier ein Vorher/Nachher:

 

Licht & Schatten sind zusammen mit einer passenden Perspektive genau die Schlüsselelemente, die ein Composing glaubwürdig machen, die von vielen Anfängern aber jedoch “auf die leichte Schulter genommen” werden. Soweit ist das Bild also fertig. Jetzt fehlen nur noch die letzten Kleinigkeiten zum finalen Look des Bildes. Dafür füge ich noch eine Art Vignettierung hinzu, indem ich eine neue Einstellungsebene Tonwertkorrektur hinzufüge und sowohl die Mitten als auch die Tiefen etwas dunkler gestalte.

 

Jetzt kehre ich die Ebenenmaske über Strg+I um und male mir, wieder mit einem großen weichen Pinsel und ca 25% Deckkraft, die Randbereiche zurück ins Bild. Dadurch werden eben nur die Bereiche abgedunkelt, von denen ich es auch möchte. Hier einmal vorher/nachher und die dazugehörige Ebenenmaske:

 

Jetzt können nach Belieben noch finale Farbkorrekturen über bspw. eine Tonwertkorrektur vorgenommen werden und unser “Devils Church”-Composing ist fertig!


Ich hoffe, euch hat das Tutorial gefallen und ihr konntet einige Tipps und Tricks für eure eigenen Composings mitnehmen!

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